Vom richtigen Moment. Warum manche Dinge ihre Zeit brauchen.
Es gibt diese Momente, in denen du genau weißt, was zu tun wäre. Der Anruf, den du führen solltest. Die Entscheidung, die längst ansteht. Der erste Schritt in eine neue Richtung. Du weißt es. Und trotzdem passiert nichts.
Die meisten von uns lernen dann, sich selbst anzutreiben. Reiß dich zusammen. Mach es einfach. Überwinde dich. Als wäre der einzige Grund, warum wir etwas nicht tun, mangelnde Disziplin.
Ich glaube das inzwischen nicht mehr. Ich glaube eher, dass es sich lohnt, dem eigenen Gefühl zu vertrauen, auch wenn der Kopf schon längst weiterdenkt.
Wissen und Tun sind zwei verschiedene Dinge
Manchmal ist etwas noch nicht dran, obwohl der Kopf längst so weit ist. Nicht weil du zu ängstlich bist. Nicht weil du es nicht schaffst. Sondern weil ein Teil von dir, dein Bauchgefühl, spürt, dass der Moment noch nicht der richtige ist.
Das ist ein Unterschied, der leicht übersehen wird. Wissen, was zu tun ist, und bereit sein, es zu tun, sind zwei verschiedene Zustände. Wenn wir sie verwechseln, fangen wir an, uns selbst über unsere eigenen Grenzen zu zwingen. Und das fühlt sich fast immer schwer an.
Wenn der richtige Moment dagegen wirklich da ist, geht es oft überraschend leicht von der Hand. Ohne dass du über dich hinauswachsen oder über deinen eigenen Schatten springen musst.
Ich hatte das Über-die-Grenzen-Gehen perfektioniert
Ich schreibe das nicht aus der Theorie heraus. Es gab eine lange Zeit in meinem Leben, in der ich sehr gut darin war, über meine eigenen Grenzen zu gehen. Wenn etwas nicht von allein ging, habe ich nachgeholfen. Wenn ein Gefühl sagte, das ist zu viel, habe ich es überhört und weitergemacht.
Das Ergebnis war nicht mehr Kontrolle. Das Ergebnis war, dass ich fast durchgehend gestresst war. Dem eigenen Rhythmus zu folgen, dem eigenen Timing zu vertrauen, war für mich nichts, das einfach da war. Ich musste es lernen , Stück für Stück, oft gegen meine eigene Gewohnheit, alles selbst in der Hand halten zu wollen.
Dazu kommt: Ich bin eine sehr gute Umsetzerin. Wenn ich eine Idee habe, lege ich los, oft sofort, ohne lange zu überlegen. Das ist eine Stärke, sie hat mir schon viel ermöglicht, aber sie hat auch eine Kehrseite. Das ein oder andere Mal bin ich damit direkt gegen die Wand gerannt und habe jede Menge Energie verschwendet, weil ich losgerannt bin, statt kurz zu spüren, ob es überhaupt schon dran war.
Was ich gelernt habe, ist nicht, weniger zu handeln. Sondern zu vertrauen, dass eine Sache, die einmal angestoßen ist, auch von selbst weiterläuft. Und dass ich jederzeit wieder eingreifen kann, wenn es nötig wird. Ich muss nicht die ganze Zeit selbst am Steuer bleiben, damit etwas vorankommt. Es geht darum die Kontrolle abzugeben, ohne das Vertrauen zu verlieren, dass es trotzdem weitergeht.
Einer meiner Leitsätze lautet: Beginne, bevor du weißt, was entsteht. Schnell gelesen, klingt das fast wie eine Aufforderung, blind loszulegen und gleich alles auf einmal zu erledigen. Gemeint ist etwas anderes. Gemeint ist der erste Schritt. Du musst nicht wissen, wie der zweite oder dritte Schritt aussieht, um den ersten zu gehen. Aber nach dem ersten Schritt darf auch wieder Ruhe sein. Beginnen heißt nicht durchrennen.
Ein Beispiel dafür ist mein Auszug aus dem großen Atelier. Die Vermieterin hatte Eigenbedarf angemeldet, ich musste ausziehen. Schon vorher hatte ich das Gefühl, dass dieser Moment bald kommen würde, und hatte sogar konkret nachgefragt. Eine klare Antwort habe ich damals nicht bekommen. Ich hätte nachhaken können, hartnäckiger sein, auf eine feste Zusage drängen. Ich habe es bewusst nicht getan.
Im Rückblick war genau das entscheidend. Hätte ich damals eine frühere, konkrete Antwort erzwungen, wäre alles anders gelaufen, und das Tiny Loft, in das ich am Ende gezogen bin, wäre zu diesem früheren Zeitpunkt noch gar nicht frei gewesen. Das Timing im Leben hätte nicht besser sein können, gerade weil ich es nicht erzwungen habe.
Etwas anstoßen und dann loslassen
Ich erlebe das oft in kleinen, alltäglichen Situationen. Eine Angebot ist raus. Eine Nachricht ist geschickt. Ein Impuls ist gesetzt. Und dann kommt dieser Reflex: nachfassen, nachhaken, beschleunigen. Ich weiß ja, wie das geht.
Aber ich merke immer öfter, wie gut es tut, genau das nicht zu tun. Etwas anzustoßen und es dann laufen zu lassen. Loslassen lernen heißt hier nicht, dass mir egal ist, was daraus wird. Es heißt, dem richtigen Zeitpunkt zu vertrauen, statt an jeder Stelle einzugreifen. Erst wenn wirklich keine Rückmeldung kommt, werde ich wieder aktiv.
Das schafft Raum. Raum für das, was gerade tatsächlich vor mir liegt und meine Aufmerksamkeit will, statt Energie in Kontrolle zu stecken, für etwas, das ohnehin seinen eigenen Weg geht.
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Alles hat seine Zeit
Freiheit durch Begrenzung heißt für mich auch nicht jede Möglichkeit sofort ergreifen zu müssen. Nicht jeden Impuls sofort verfolgen zu müssen, sondern zu vertrauen, dass die Dinge kommen, wenn sie dran sind. Es ist übrigens auch der Grundgedanke hinter meinem entstehenden Onlinebasiskurs.
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du etwas eigentlich tun müsstest und es trotzdem nicht tust, frag dich nicht zuerst, was mit dir nicht stimmt. Frag dich, ob es vielleicht einfach noch nicht der richtige Moment ist. Und ob du dir erlauben kannst, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.
Wie geht es für dich weiter?
Vielleicht hast du gerade selbst gemerkt, an welcher Stelle in deinem Leben du etwas anstößt, dann aber lieber kontrollierst statt vertraust. Das ist ein guter Anfang, das überhaupt zu bemerken.
Genau um dieses Vertrauen geht es auch in meinem entstehenden Onlinebasiskurs Freiheit durch Begrenzung. Eine ehrliche Bestandsaufnahme, wo du gerade stehst, was deine Stärken sind, was gehen darf und wohin du eigentlich willst, mit den ersten geführten Schritten schon während des Kurses.
Am Ende hältst du kein loses Gedankenknäuel in der Hand, sondern etwas, das du selbst gezeichnet hast: deine eigene kleine Landkarte deines Lebens, mit deinen Linien.
Der Kurs entsteht gerade, in aller Ruhe. Wenn du magst, trag dich unverbindlich auf die Warteliste ein, dann erfährst du als Erste, sobald es losgeht.



