Schaufenster Kunst & Visionen

Warum ich meinen Laden wieder aufgegeben habe

Kurz vor meinem 50. Geburtstag hat sich mein Blick auf mein Leben verändert.

Selbst wenn ich das große Glück habe, hundert Jahre alt zu werden, war realistisch gesehen  die Hälfte meines Lebens bereits vorbei.

Natürlich wusste ich auch vorher, dass das Leben nicht unendlich ist. Aber plötzlich war das nicht mehr nur irgendein vernünftiger Gedanke.

Es war spürbar.

Und damit veränderten sich auch meine Entscheidungen.

Ich begann mich häufiger zu fragen:

Will ich das wirklich noch?

Nicht: Was hatte ich mir einmal vorgenommen?

Nicht: Was werden die anderen denken?

Und auch nicht: Muss ich jetzt weitermachen, weil ich schon so viel investiert habe?

Ich fing an, mir zu erlauben, eine Entscheidung zu ändern, wenn ich tief in mir oder sogar körperlich spürte, dass sie nicht mehr zu meinem Leben passte.

Eine dieser Entscheidungen war mein Ladenlokal.

Vom großen Atelier in die Sichtbarkeit

Fast zehn Jahre lang hatte ich in einem großen Atelier am Ammersee gelebt und gearbeitet.

Dann meldete meine Vermieterin Eigenbedarf an. Ich musste ausziehen und bekam die Möglichkeit, in ein Tiny Loft zu ziehen.

Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde gleichzeitig ein Ladenlokal frei.

Mein großes Atelier hatte etwas versteckt im Hinterhof gelegen. Der Laden dagegen lag direkt an der Straße und hatte ein Schaufenster.

Für mich wirkte das wie der nächste logische Schritt:

Raus aus dem Hinterhof.
Hinein in die Sichtbarkeit.

Ich übernahm den Laden im Oktober, baute ihn aus und richtete dort mein neues Atelier ein.

Im vorderen Bereich konnte ich sichtbar arbeiten und meine Bilder zeigen. Ich stellte meine Bilder aus und arbeitete im Showroom. Ich baute sogar eine kleine Bühne ein.

Für das Projekt startete ich außerdem eine Crowdfunding-Kampagne. Menschen unterstützten mich mit Geld, weil sie an die Idee glaubten.

Ich hatte mich also nicht nur im Stillen entschieden.

Der Laden war eröffnet. Das Projekt war sichtbar. Ich hatte Zeit, Kraft und Geld investiert.


Die Frage, die beim Yoga auftauchte

Schon nach einigen Monaten war da ein leises Gefühl, dass etwas nicht stimmte.

Ich konnte es zunächst nicht genau benennen.

Dann saß ich eines Tages beim Yoga in der Meditation. Plötzlich tauchte diese Frage auf:

Bist du eigentlich auch Künstlerin, wenn du kein großes Atelier und kein Ladenlokal hast?

Diese Frage hat bei mir eingeschlagen.

Ich hatte meine Identität als Künstlerin offenbar stärker an Räume gebunden, als mir bewusst gewesen war.

An ein großes Atelier.

An ein Schaufenster.

An einen sichtbaren Ort, der auch anderen zeigte:

Hier arbeitet eine Künstlerin.

Die Antwort kam sofort.

Natürlich bin ich auch ohne einen solchen Raum Künstlerin.

Als ich mir dann vorstellte, den Laden wieder abzugeben, breitete sich in mir ein starkes Freiheitsgefühl aus.

Nicht nur im Kopf.

Ich konnte es körperlich spüren.

Und ich entschied ziemlich schnell, die Reißleine zu ziehen, bevor ich noch mehr Zeit, Geld und Energie hineinsteckte.

Ich hatte bereits viel investiert

Natürlich war die Entscheidung nicht leicht.

Der Laden war längst eröffnet. Menschen hatten mich unterstützt. Es gab Bilder, Fotos, Veranstaltungen und die Crowdfunding-Kampagne.

Früher hätte mich das wahrscheinlich länger festgehalten.

Ich hätte gedacht, dass ich jetzt weitermachen müsse. Schließlich hatte ich mich öffentlich festgelegt und andere Menschen hatten an die Idee geglaubt.

Aber nur weil bereits viel investiert wurde, muss nicht automatisch noch mehr investiert werden.

Die entscheidende Frage war für mich nicht:

Wie viel habe ich schon hineingesteckt?

Sondern:

Möchte ich auch weiterhin meine Zeit, meine Energie und mein Geld dafür einsetzen?

Meine Antwort war Nein.

Also kündigte ich.

Im Mai gab ich den Laden zurück – nur sieben Monate, nachdem ich ihn übernommen hatte.

Was würden die anderen denken?

Natürlich gab es Vermutungen.

Vielleicht hatte sich der Laden nicht gerechnet. Vielleicht kamen nicht genug Kunden. Vielleicht war das Projekt nicht erfolgreich.

Ich habe nicht jede Vermutung richtiggestellt.

Auch das war Teil meiner Entscheidung.

Andere Menschen dürfen sich ihre eigene Erklärung machen.

Ich kenne meine Gründe.

Das reicht.

Die Meinung anderer ist mir nicht völlig egal geworden. Aber sie hat heute weniger Macht über meine Entscheidungen.

Denn am Ende bin ich diejenige, die mit den Folgen leben muss.

Es ist mein Leben.

Was ich mir kurz vor fünfzig erlaubt habe

Kurz vor meinem 50. Geburtstag begann ich, mir selbst mehr Raum in meinen Entscheidungen zu geben.

Damit meine ich nicht, dass ich nur noch an mich denke.

Wir alle tragen Verantwortung. Für andere Menschen, für Verpflichtungen und für Entscheidungen, die nicht ausschließlich uns selbst betreffen.

Aber die eigene Wahrnehmung darf trotzdem mit in die Gleichung.

Nicht anstelle der Bedürfnisse anderer.

Sondern zusätzlich dazu.

Ich entscheide nicht nur für mich. Aber ich entscheide auch für mich.

Ich erlaube mir heute eher, eine Entscheidung zu ändern, wenn ich sehr deutlich merke, dass sie nicht mehr stimmt.

Auch wenn sie einmal richtig war.

Auch wenn andere sie nicht verstehen.

Auch wenn ich bereits viel investiert habe.

Das bedeutet nicht, bei jeder Schwierigkeit sofort alles hinzuwerfen.

Manche Dinge brauchen Geduld. Manche Phasen sind anstrengend und trotzdem richtig.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen:

Das ist gerade schwierig.

Und:

Das passt nicht mehr zu meinem Leben.

Diesen Unterschied möchte ich nicht mehr dauerhaft übergehen.

Eine Entscheidung ändern heißt nicht scheitern

Eine Entscheidung kann richtig gewesen sein, als wir sie getroffen haben.

Und später trotzdem nicht mehr passen.

Vielleicht haben sich die Umstände verändert.

Vielleicht haben wir uns verändert.

Oder wir mussten einen Weg erst ein Stück gehen, um zu erkennen, wie er sich tatsächlich anfühlt.

Das macht die frühere Entscheidung nicht automatisch falsch.

Und es macht die neue Entscheidung nicht zu einem Scheitern.

Manchmal ist es einfach eine Kurskorrektur.

Nach der Aufgabe des Ladens wurde mein Tiny Loft auch zu meinem kleinen Atelier. Geblieben ist außerdem mein Kunstautomat direkt gegenüber vom ehemaligen Laden.

Die Geschichte der kleinsten Galerie am Ammersee erzähle ich noch in einem eigenen Artikel.

Für diese Geschichte ist etwas anderes entscheidend:

Ich hatte mir erlaubt, aufzuhören.

Und es fühlte sich richtig an.

Würdest du dich heute wieder so entscheiden?

Vielleicht gibt es auch in deinem Leben etwas, bei dem du dich immer häufiger fragst:

Warum mache ich das eigentlich noch?

Vielleicht geht es um ein Projekt.

Eine Aufgabe.

Eine berufliche Richtung.

Eine Verpflichtung.

Oder eine Vorstellung davon, wie dein Leben aussehen sollte.

Vielleicht hältst du nicht mehr daran fest, weil du es wirklich willst.

Sondern weil du dich einmal dafür entschieden hast. Weil andere davon wissen. Oder weil schon viel Zeit, Kraft oder Geld hineingeflossen ist.

Dann musst du nicht sofort alles beenden.

Aber du darfst dir diese Frage stellen:

Würde ich mich heute noch einmal dafür entscheiden?

Nicht damals.

Heute.

Vielleicht lautet deine Antwort Ja.

Dann weißt du, warum du weitergehst.

Vielleicht lautet sie Nein.

Dann darfst du genauer hinsehen.

Du musst dein Leben nicht so weiterführen, nur weil du dich einmal dafür entschieden hast.

Du darfst eine Entscheidung ändern.
Vielleicht stehst du gerade selbst an einem Punkt, an dem du spürst:

Etwas passt nicht mehr.

Vielleicht weißt du aber noch nicht genau, was du verändern möchtest und welche Richtung wirklich zu dir gehört.

Genau darum geht es in meinem entstehenden Online-Basiskurs Freiheit durch Begrenzung.

Du schaust darin ehrlich auf dein Leben:

Wo stehst du gerade?
Was trägt dich?
Was kostet dich Kraft?
Welche Stärken und Erfahrungen sind bereits da?
Was darf gehen?
Und wohin möchtest du dich entwickeln?
Am Ende hältst du deine persönliche Lebenslandkarte in der Hand – mit deinen eigenen Linien, deinem Standpunkt und einer Richtung, die wirklich zu dir passt.

Die erste Runde wird kostenfrei und auf sieben Teilnehmerinnen begrenzt sein.

Wenn du erfahren möchtest, wann es losgeht und wie du dich für einen Platz bewerben kannst, trag dich unverbindlich auf die Warteliste ein:

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Du musst dein Leben nicht so weiterführen, nur weil du dich einmal dafür entschieden hast.

 

 

Eine Linie nach der anderen.

 

 

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